Interessantes aus dem Archiv - Vor 100 Jahren - Nachrichten aus dem „Saydaer Anzeiger und Tageblatt“ Monat Februar

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„Neuste“ Nachrichten aus Dorfchemnitz, Voigtsdorf, und Umgebung 

Saydaer Anzeiger und Tageblatt – Februar 1926

 

2.Februar 1926 In unserer Stadt (Sayda) tagten gestern eine Anzahl von Versammlungen. So im „Ratskeller“ die Bäcker-Innung Sayda und Umgegend und im „Stern“ die Schneider-Innung Sayda und Umgegend. Im „Löwen“ hatten sich ferner versammelt die Vorsitzenden und Liedermeister der Gesangsvereine der Gruppe Sayda und Elbgausängerbundes. In dieser Versammlung wurde nach Vortrag des Jahres- und Kassenberichtes beschlossen, der Leiberg-Stiftung einen Betrag des Kassenüberschusses zu überweisen. Die Gruppenleitung wurde wiedergewählt. Die Gruppe wird teilnehmen an der an Ende Mai stattfindenden Fahnenweihe des Gesangsvereins Dorfchemnitz. Das Gruppenkonzert soll in Clausnitz voraussichtlich im August oder September abgehalten werden. Zur Erlangung eines Gruppensängerspruchs soll ein Wettbewerb unter den Chormeistern der Gruppe veranstaltet werden. Die Entscheidung soll die Bundesmusikkommission treffen. Weiter wurde beschlossen, die winterlichen geselligen Zusammenkünfte wieder aufzunehmen.

 

Bauernregeln im Februar:

„Wenn der Februar warm uns macht, gefriert es oft im Mai bei Nacht.“; „Liegt im Februar die Katz im Frei’n, muß sie sicher im März wieder rein.“: „Scheint zu Lichtmeß die Sonne heiß, so kommt noch viel Schnee und Eis!“

 

12.Februar 1926 Der Turnverein Dorfchemnitz veranstaltet am 7.März einen öffentlichen Abend in Gestalt eines Bühnenschauturnens

13.Februar 1926 – Mulda Am Donnerstag verunglückte im hiesigen Steinbruch ein Arbeiter aus Dorfchemnitz durch herabfallende Steinmassen tödlich.

 

18.Februar 1926 Am Sonntag, dem 14.d.M. fand in der Jugendherberge Mortelgrund eine vom Gaujugendwart Rümmler einberufene Besprechung mit den Vorsitzenden der Turnvereine des Gaus Freiberg statt. Im Vordergrund der Tagung stand die Frage, in welcher Weise die Turnvereine ihre besondere Aufgabe, die Jugend nicht nur körperlich, sondern auch in sittlicher Hinsicht zu erziehen, am besten gerecht werden können. Dabei mußte leider mit festgestellt werden, daß ein großer Teil Schuld an der Verflachung unserer Jugend die Erziehungsberechtigten insofern trifft, als sie im Kampf um das tägliche Brot zum großen Teil keine Zeit finden, etwas für die Erziehung ihrer Kinder zu tun. In den Turnvereinen wird, neben der gesundheitsfördernden Leibesübungen alles betrieben, was der sittlichen Erziehung und Pflege des deutschen Gedankens dient. Die Jugend ist also hier gut aufgehoben. Darum Eltern und Lehrerschaft! Schicket eure Kinder in die Turnvereine!

 

25.Februar 1926 Der milde Februar Der Februar geht seinem Ende entgegen. Das können wir heute schon sagen: Ein Wintermonat ist er so gut wie gar nicht gewesen. Wenig Frost und wenig Schnee waren seine Hauptmerkmale, und zwar gilt dies nicht nur für das Flachland und die mittleren Höhenlagen, sondern auch für das Erzgebirge, wo in den letzten Tagen nur leichte Fröste und mäßiger Schneefall bis etwa 600 Meter herab auftraten. Da mit dem Februar auch der meteorologische Winter abschließt, so läßt sich bereits der Gesamtcharakter des jüngsten Winters feststellen. Danach ändert der harte, scharfe Vorwinter in der ersten Dezemberhälfte nichts an der Tatsache, daß wir wieder einen der milden Winter erlebt haben, wie sie sich in den letzten Jahrzehnten in auffälliger Weise gehäuft haben. Uebrigens gibt es in unseren Breiten viel mehr milde als strenge Winter. Der letzte strenge Winter war der Kriegswinter 1916/17. Während wir bei der Feststellung des letzten sehr strengen Winters schon auf den von 1892/93 zurückgehen müssen. 

 

Clausnitz Die alte Unsitte bei Dunkelheit ohne Licht und dauernd links zu fahren konnte in Clausnitz zwei Menschenleben kosten. Als der Sägewerksbesitzer aus Clausnitz Paul Hunger als Beiwagenfahrer und der Aufsichtsbeamte Hans Kretschmar daselbst am Steuer eines Motorrades die Clausnitz-Cämmerswalder Straße befuhren trat in dem Lichtkegel des Maschinenscheinwerfers in einer kurzen Entfernung ein scheuendes Pferdegeschirr ohne Licht. Der Motorradfahrer wollte die Böschung hinunterfahren und geriet dabei bei ziemlicher Geschwindigkeit an einen Baum. Während Herr Hunger im weiten Bogen auf den Sturzacker geschleudert wurde und mit dem Schrecken und einigen Hautabschürfungen davonkam, wurde der Führer zwischen Beiwagen und Motorrad eingeklemmt und erlitt dadurch erhebliche Verletzungen. Ohne sich um die Verletzten zu kümmern, fuhr das Geschirr in schnellen Tempo davon.

 

Petra Berger

Archiv Sayda/ Dorfchemnitz

 

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