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Interessantes aus dem Archiv - Vor 100 Jahren - Nachrichten aus dem "Saydaer Anzeiger und Tagesblatt" Monat Mai
„Neuste“ Nachrichten aus Dorfchemnitz, Voigtsdorf, und Umgebung
Saydaer Anzeiger und Tageblatt – Mai 1926
4.Mai 1926 Ein jäher Wettersturz ist seit Sonntag eingetreten. An Stelle sommerlicher Wärme, die uns der letzte Abschnitt des April brachte, herrscht nach größeren Regengüssen kühles trübes Wetter, das den wärmenden Ofen wieder als begehrenswert erscheinen läßt.
6.Mai 1926 Voigtsdorf Der hiesige Turnverein begeht am 8. und 9. Mai seine Fahnenweihe in festlicher Weise mit Kommers am Sonnabendabend und Weiheakt, Festzug und Schauturnen am Sonntagnachmittag. Da auch viele auswärtige Turner aus dem Bezirke dem Feste bewohnen, wird am Sonntag hier ein reges turnerisches Leben herrschen. Alles andere siehe Inserat der heutigen Nummer.
8.Mai 1926 Voigtsdorf Die Fahnenweihe des hiesigen Turnvereins D.T. wird ein Fest werden, an dem der ganze Ort regen Anteil nehmen wird. Man erwartet natürlich auch von auswärts einen großen Zustrom von Turnern, Turnerinnen, Turnerfreunden und Zuschauern, für deren Verpflegung die Gaststätten reichlich Vorsorge getroffen haben. Es wäre zu wünschen, daß der Wettergott dem Turnverein einen recht schönen Maientag bescheren möchte.
– Maischnee In den Blütenschnee unserer Obstbäume mischte sich heute früh wirklicher frisch gefallender Schnee. Der gewohnte Kälterückfall im Mai tritt diesmal noch vor den „gestrengen Herrn“ oder den „Weinmördern“ ein. Hoffentlich ist nicht zu viel Schaden angerichtet worden. Leider verkünden die Wetterwarten, daß noch keine Aussicht auf Erwärmung besteht.
11. Mai 1926 Voigtsdorf Es war tief bedauerlich, daß des Wetters Ungunst die Fahnenweihe hiesigen Turnvereins so beeinträchtigte, daß die Durchführung des Programms nur teilweise möglich war. Trotz des heftigen Schneetreibens waren jedoch die Turnvereine des südlichen Bezirks bis auf wenige gut vertreten und halfen zur Ausgestaltung des Festes an ihrem Teile mit. Dem eigentlichen Festsonntag ging ein Kommers am Sonnabend voraus, der gut besucht war und neben wertvollen Liedergaben des hiesigen Gesangsvereins Musikstücke der Ortskapelle sowie turnerische Vorführungen des festgebenden Vereins in beachtlicher Exaktheit brachte. Der Sonntag fand seine Einleitung mit dem Weckruf, später ehrte man die gefallenen und verstorbenen Turner durch Kranzniederlegung am Kriegerdenkmal und ging geschlossen zur Kirche. In den Mittagsstunden trafen die auswärtigen Vereine hier ein, die den Saal des Gasthofes füllten und vor dem Schneewetter Schutz suchten. Die vielen Arbeiten und Mühen zur Anlegung des fahnengeschmückten Festplatzes, der Tribüne, des schönen Häuserschmuckes im Dorfe waren umsonst. Das scheußliche Wetter vereitelte das gedachte Programm vollständig und beeinträchtigte die Feststimmung wesentlich. Die Weihe der Fahne mußte man auf dem Saale des Gasthofes vornehmen, in dem der Vereinsvorsitzende, Herr Gläßer, die Erschienenen begrüßte und Ihnen für ihr Kommen dankte. Herr Pfarrer Seidel nahm nach einer sinnreichen Rede, in der er die Ideale des deutschen Turnens und die Pflichten zur neuen Fahne so trefflich auslegte, die Weihe vor. Ein gut gesprochener Prolog einer Festjungfrau verfehlte seine Wirkung nicht. So folgten dann die Uebernahme der Fahne und Verpflichtung des Fahnenträgers und Ueberreichung der Geschenke der Fahnenpaten, der Ortsvereine und des Rittergutsbesitzers Herrn Hauptmann von Lüttichau. Der Gauvertreter Herr Rümmler-Freiberg überbrachte die Glückwünsche des Gaus und verlas das Glückwunschschreiben des Kreisvertreters Dr. Thiemer. Er nahm die alte Sitte des Fahneneides wieder auf und schloß seine Ausführungen mit einem begeisterten aufgenommen „Gut Heil“ auf den Turnverein Voigtsdorf, die deutsche Turnerschaft und das Vaterland. Der Vorsitzende des festgebenden Vereins dankte in herzlichen Worten für die Geschenke und Glückwünsche. Es folgten dann auf dem Saale die Freiübungen der Turnerinnen und Turner. – Der Ehrentag des Turnvereins Voigtsdorf möge vor allem dazu beitragen, daß sich immer mehr Turnerinnen und Turner um das schöne Banner scharen, damit der Verein als rechte Pflegestätte des deutschen Turnens noch intensiver seine Ziele verfolgen kann. Wir wünschen ihm dazu ein herzliches „Glück auf!“
12.Mai 1926 – Münzprägung in Sachsen In der sächsischen Münze in Muldenhütten sind im April für 1,65 Millionen Reichsmark Zweimarkstücke und für 24 200 Reichsmark Fünfpfennigstücke geprägt worden.
18. Mai 1926 Dorfchemnitz Das Fest des 30-jährigen Fahnenjubiläums des hiesigen Schützenvereins kam zum vollen Gelingen durch die rege Anteilnahme der Einwohnerschaft sowie auswärtiger Vereine und das herrliche Maiwetter, daß die Abwicklung des vorgesehenen Programms in allen seinen Teilen möglich machte. Der Kommers am Sonnabendabend erfreute sich eines guten Besuches und brachte außer der Begrüßungsansprache des Vorsitzenden und eines gut gesprochenen Prologes klangschöne Liedergaben des Männergesangvereins, ansprechende musikalische Darbietungen der Korffchen Kapelle sowie lustige Singspiele, die für eine willkommene Abwechslung sorgten. Der Festsonntag fand seine Einleitung durch einen frühzeitigen Weckruf um 4 Uhr. Der Verein beteiligte sich geschlossen am Kirchgang und legte am Kriegerdenkmal einen Kranz mit Widmungsschleife nieder. In den Mittagsstunden trafen die auswärtigen Vereine hier ein und wurden im Gasthof begrüßt. Nachmittags stellten man sich mit dem Ortsverein zum Festzug. Nach der Einholung der Jubiläumsfahne durch die Festjungfrauen und einer Fahnendeputation eröffnete die Korffche Kapelle den Festakt mit einem Begrüßungsmarsch. Der rührige Vorsitzende, Herr Kurt Rauer, begrüßte mit herzlichen Worten die erschienenen Ehrenmitglieder, Ehrengäste und Festbesucher. Die Festrede hatte Herr Paul Schramm, ein ehemaliger verdienter Vorstand des Vereins, übernommen. Er hielt einen Rückblick auf die Geschichte des Vereins, der sein Bestehen schon auf das Jahr 1868 nachweisen kann, und schilderte, wie sich immer begeisterte Freunde des Schießsports um die Fahne geschart haben, die ihnen in Leid und Freud als wahres Symbol vorangetragen worden ist. Seine gut durchdachten Ausführungen wurden mit lebhaftem Beifall begrüßt. Es folgten dann die Uebergabe der Geschenke der Orts- und auswärtigen Brudervereine und der Dank des Vorsitzenden des Jubelvereins. Hierauf bewegte sich ein stattlicher Festzug durch den geschmückten Ort und löste sich auf dem Festplatze wieder auf. Das Korffche Musikchor, das als leistungsfähige Kapelle bekannt ist und an den beiden Festtagen ein reiches Stück Arbeit zu vollbringen hatte, spielte dann eine exakte Ballmusik, der vor allem die Jugend lebhaft zusprach. Der Verein mit seiner Leistung kann damit auf ein vollauf gelungenes Fest zurückblicken.
26.Mai 1926 - Dorfchemnitz Am 1. Feiertag Vormittag ging hier ein besonders starker Regenguß nieder, der auf den Feldern schweren Schaden anrichtete. Besonders wurden davon die Felder des Gutsbesitzers Paul Ullrich betroffen. Die erst gelegten Kartoffeln hat es herausgespült und in großer Menge auf die Straße geschwemmt. Das Wasser drang auch in verschiedene Häuser ein.
Archiv Sayda/Dorfchemnitz
Petra Berger







